Eine Amaryllis in der Vase hält sieben bis vierzehn Tage. Ob es sieben werden oder vierzehn, hängt an der Zimmertemperatur und daran, ob der hohle Blütenschaft rechtzeitig eine Stütze bekommt. Wasser kommt dabei nur knapp eine Handbreit hoch in die Vase, sonst weicht der Schaft von unten auf.
Im Dezember steht sie plötzlich im Wohnzimmer: ein Geschenk, drei schwere Knospen an einem daumendicken Stiel, und die einzige Vase im Haus ist eigentlich zu klein dafür. Vieles entscheidet sich schon beim Auspacken und beim ersten Anschnitt. Danach geht es um wenig Wasser und einen kühlen Platz, später um die Frage, was mit der ersten welken Blüte passiert, während die zweite gerade aufgeht. Der Grund für all das steckt im Stiel: Er ist innen hohl, und das Gewicht der Blüten sitzt ganz oben.
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Sieben bis vierzehn Tage hält die Amaryllis in der Vase

Eine geschnittene Amaryllis hält in der Vase sieben bis vierzehn Tage. Gemeint ist dabei immer der ganze Schaft mit allen seinen Blüten. Die vierzehn Tage sind das obere Ende der Spanne und gelten für einen kühlen Stand, nicht für das durchgeheizte Wohnzimmer. Im Vasenversuch bei 22 Grad hielt der Stiel zehn Tage, allerdings in Wasser, das über die gesamte Versuchsdauer nie gewechselt wurde (Ornamental Horticulture). Wer das Wasser alle paar Tage erneuert, steht damit eher besser als diese zehn Tage.
Den größten Unterschied macht die Temperatur. Zwischen 16 und 20 Grad steht die Blume gut, und je kühler der Platz, desto länger hält der Schaft; trockene Heizungsluft und kalte Zugluft ziehen die Standzeit nach unten. Der frische Anschnitt vor dem ersten Vasengang gehört ebenfalls dazu, mit einem scharfen und sauberen Messer. Dazu kommt der Zustand beim Kauf: Blütenköpfe, die noch geschlossen sind, bringen die ganze Blütenfolge mit nach Hause. Ein eher kurzer Stiel hat es dabei leichter, denn sehr lange Schäfte werden schneller weich und geben unter dem Gewicht der Blüten nach.
Drei Wochen sind kein Richtwert, mit dem sich planen lässt. Planbar sind die sieben bis vierzehn Tage, und innerhalb dieser Spanne haben Sie es selbst in der Hand: ein kühler Platz und sauberes Wasser, das alle ein bis drei Tage erneuert wird. Für Ihre Vase heißt das: Stellen Sie den Schaft nach dem Auspacken zügig ins Wasser und suchen Sie ihm den kühlsten Platz, der optisch noch in Frage kommt. Ist Ihre Blume nach zehn Tagen fertig, haben Sie nichts falsch gemacht: Dann stand sie warm.
Amaryllis in der Vase: die Pflege auf einen Blick
| Aspekt | Empfehlung |
|---|---|
| Haltbarkeit | sieben bis vierzehn Tage; bei 22 Grad und ohne Wasserwechsel gemessene zehn Tage |
| Standort | 16 bis 20 Grad, kein direktes Sonnenlicht, keine Zugluft, kein Obst daneben |
| Wasserstand | knapp eine Handbreit, etwa sieben bis zehn Zentimeter |
| Wasserwechsel und Anschnitt | alle ein bis drei Tage wechseln, Vase ausspülen, Stiel um rund einen Zentimeter kürzen |
| Stütze | glatter Stab im hohlen Schaft, Klebestreifen ums Stielende, hohe beschwerte Vase |
| Kauf | geschlossene Blütenköpfe, eher kürzere Stiele |
Dass ein langer Schaft weich wird und nachgibt, liegt an seinem Bau.
Der Blütenschaft ist ein Rohr: Er knickt, reißt auf oder wird weich

Der Blütenschaft der Amaryllis ist innen hohl: ein Rohr, kein Strang. Das erklärt das meiste, was an diesem Stiel schiefgehen kann. Ein Stiel aus vollem Gewebe biegt sich unter Last, ein Rohr hält lange und knickt dann auf einmal. Genau deshalb ist der Schaft druckempfindlich: Fassen Sie ihn beim Auspacken unten an und quetschen Sie ihn auch beim Anschneiden nicht zusammen.
Je nach Sorte wird der Schaft etwa 35 bis 70 Zentimeter lang, und der Blütenstand oben misst bis zu 30 Zentimeter. Gemeint ist damit die Länge des Schafts, nicht die Höhe der ganzen Pflanze. Zwei bis sechs Blüten sitzen in einer Dolde und öffnen sich nacheinander. Mit jeder geöffneten Blüte wird der Hebel oben länger, während die Wand des Schafts unten dieselbe bleibt. Wie schwer der Kopf am Ende wird, zeigt sich erst nach ein paar Tagen: Am Anfang steht dort eine einzige geöffnete Blüte, später sind es bis zu sechs. Die Zwiebel treibt diesen Schaft übrigens oft, bevor überhaupt Blätter da sind.
Am hohlen Schaft treten drei verschiedene Schäden auf, und sie sehen unterschiedlich aus. Im ersten Fall knickt der Stiel, das Gewebe bleibt dabei heil, und der Kopf hängt über. Im zweiten knickt er und reißt an der Knickstelle teilweise auf. Im dritten läuft er von unten her leer und wird weich. Doch für die Vase laufen alle drei auf dasselbe hinaus: Der Schaft trägt seine Blüten nicht mehr.
Vier Handgriffe halten das Rohr in Form:
- Beim Auspacken nicht drücken, dann gerade anschneiden. Nehmen Sie etwa zweieinhalb Zentimeter mit einem scharfen, sauberen Messer ab; unter seitlichem Druck bricht die dünne Wand leicht ein.
- Einen schmalen Klebestreifen um das Stielende wickeln. Er hält die Schnittkante in Form, und das ist eine Frage der Optik.
- Einen glatten Stab in den Hohlraum schieben. Ein Bambusstab oder ein gerader Ast, von unten in das offene Ende geschoben, versteift den Schaft genau auf der Länge, an der er sonst einknickt.
- Eine hohe, standfeste Vase wählen und den Boden beschweren. Ein paar Steine geben Gewicht, die hohe Wand führt den Schaft seitlich, und er trägt die Kopflast dann nicht allein; worauf es bei der passenden Vase ankommt, gilt hier besonders.
Die Stütze kommt am besten gleich am ersten Tag in den Schaft und nicht erst, wenn er sich schon neigt. Beim Wasserwechsel ziehen Sie den Stab kurz heraus, kürzen den Schaft und schieben ihn danach wieder hinein. In der Floristik wird für denselben Zweck auch Bast um die Stielenden gewickelt.
Botanisch ist diese Blume ein Ritterstern; was es mit Ritterstern oder Amaryllis auf sich hat, steht auf einer eigenen Seite. Stab und Vasenwand teilen sich am Ende die Kopflast, die der Schaft sonst allein trägt.
In die Vase kommt nur knapp eine Handbreit Wasser

In die Vase kommt nur knapp eine Handbreit Wasser. Im Fachhandel stehen die Schäfte in sieben bis zehn Zentimetern Lösung, und mehr braucht Ihre Vase zu Hause auch nicht.
Der Grund steckt wieder im Bau des Schafts. Das Rohr besteht aus weichem Gewebe, und jeder Zentimeter davon, der im Wasser steht, weicht mit der Zeit auf. Steht die Amaryllis zu tief, fault der Stiel von unten her und verliert seine Steifigkeit, und die schweren Köpfe hängen über, obwohl die Blüten selbst noch frisch sind. Dazu kommt der dickflüssige Pflanzensaft, der aus dem Schnittende austritt und das Wasser milchig-trüb färbt: Je mehr Stielfläche im Wasser steht, desto mehr davon sammelt sich darin. Flach eingestellt bleibt das Stielende außerdem länger in Form, statt aufzureißen und sich aufzurollen.
In einer hohen Vase sieht so wenig Wasser zunächst falsch aus. Doch die Vase führt den Schaft seitlich, versorgen muss sie ihn nicht. Stehen mehrere Schäfte zusammen, gilt derselbe Wasserstand; jeder zusätzliche Stiel bringt zusätzlichen Saft ins Wasser.
Alle ein bis drei Tage läuft dann dieselbe Routine:
- Das alte Wasser ausgießen und die Vase mit klarem Wasser ausspülen, damit vom trüben Saft nichts zurückbleibt.
- Den Schaft um etwa einen Zentimeter kürzen, mit scharfem, sauberem Messer und dabei Handschuhe tragen, damit das Gewebe nicht gequetscht wird; die Grundregeln zum richtig anschneiden gelten auch für den hohlen Schaft.
- Wieder knapp eine Handbreit frisches, kaltes Wasser einfüllen, nicht mehr.
- Wer mag, gibt Schnittblumennahrung aus dem Beutel dazu.
Zusammen sind das zwei Schnitte: etwa zweieinhalb Zentimeter vor dem ersten Vasengang und danach jedes Mal rund einer. Wird das Wasser vorher schon milchig, wechseln Sie früher; kaltes Leitungswasser genügt dafür. Nachfüllen zwischendurch ist erlaubt, solange der Stand bei einer knappen Handbreit bleibt.
Schnittblumennahrung ist der einfachste Zusatz, und Zucker mit Zitronensaft kursiert daneben als Hausmittel. Wichtiger als jeder Zusatz bleibt der Wechsel selbst. Die Amaryllis liegt mit ein bis drei Tagen im üblichen Rahmen; wie oft Blumenwasser gewechselt wird, hängt sonst von der Blumenart ab.
Stellen Sie die frisch gefüllte Vase jedes Mal wieder an ihren Platz im Zimmer.
Kühl, zugfrei und weit weg von der Obstschale
Der beste Platz für die Amaryllis ist kühl und zugfrei. Ohne direktes Sonnenlicht hält die Blüte zusätzlich länger.
In vielen Wohnzimmern heißt das: nicht auf die Fensterbank über der Heizung, wo warme Luft von unten und der kalte Spalt von oben zusammenkommen. Zur Heizungsluft zählt auch die Nähe zum Kamin oder zum Kachelofen. Ein Fensterplatz nach Norden erfüllt beide Bedingungen oft von allein. Ein Platz weiter im Raum und etwas abseits der Sonne hält den Schaft länger frisch, und ein Zimmer, das nachts auskühlt, ist für die Blume der bessere Ort, auch wenn Sie sich selbst dort seltener aufhalten. Wer im Advent lüftet, stellt die Vase für diese paar Minuten ein Stück vom offenen Fenster weg.
Wenig beachtet und doch wirksam ist der Abstand zur Obstschale. Reifendes Obst gibt Ethylen ab, und dieses Gas lässt Blüten schneller altern (Chrysal). Die Amaryllis reagiert darauf empfindlich. Für die Vase heißt das: Äpfel und Bananen bekommen einen eigenen Platz, und die Blume steht ein Stück weiter weg.
Tatsächlich ist Kälte dabei nicht der Feind. Im Fachhandel stehen geschnittene Amaryllis bei 5 bis 10 Grad im Blumenkühler, also weit unter jeder Wohnzimmertemperatur. Was der Blüte zusetzt, ist der ständige Wechsel zwischen trockener Heizungsluft und kaltem Luftzug.
Ist der Platz gefunden, geht die Pflege oben an der Dolde weiter.
Welke Blüten abnehmen, den Stiel behalten
Solange an einem Schaft noch eine Knospe Farbe zeigt, bleibt er in der Vase. Zwei bis sechs Blüten sitzen oben in einer Dolde, und sie öffnen sich nacheinander. Nach einigen Tagen sieht der Schaft deshalb halb welk und halb frisch aus: Die erste Blüte ist zusammengefallen, während die nächste gerade aufgeht. Diese Reihenfolge ist der Grund, warum ein einziger Schaft über Tage hinweg etwas hergibt.
Nehmen Sie die welke Einzelblüte am Ansatz ab und lassen Sie den Schaft stehen. Abgenommen wird die Blüte selbst, nicht der Schaft darunter, und zwar dicht an ihrem Ansatz. Ausgeblüht ist der Stiel erst, wenn keine Knospe mehr Farbe zeigt – bis dahin hat die Dolde noch etwas vor. Ein Schaft mit zwei verwelkten Blüten kann daneben eine geschlossene Knospe tragen, die in aller Ruhe aufgeht. Der Stiel sieht nach jedem Abnehmen sofort wieder ordentlich aus, und die frische Blüte daneben kommt besser zur Geltung.
Der Blütenstaub hinterlässt auf Tischdecken Flecken, die sich kaum auswaschen lassen. Wer die Amaryllis auf den Esstisch stellt, nimmt deshalb die Staubbeutel mit einer Schere ab, sobald sich eine Blüte öffnet: Es sind die verdickten Enden der sechs Staubblätter, auf denen der Pollen sitzt. Am besten geschieht das, bevor sich der Pollen löst. Der schlanke Griffel in der Mitte bleibt stehen. Die Blüte hält mit abgeschnittenen Staubbeuteln genauso lange.
Achtung: Alle Pflanzenteile sind giftig, deshalb Handschuhe tragen und danach die Hände waschen; wer Tiere im Haus hat, sieht nach, ob die Amaryllis für Katzen giftig ist.
Die braunen Hüllblätter unter der Blüte
Unter dem Blütenstand hängen nach dem Aufblühen zwei bräunliche, trockenhäutige Blätter herab. Das sind die beiden Tragblätter, die vorher die Knospen umhüllt haben (Wikipedia). Sie sitzen genau dort, wo sich der Schaft zur Dolde öffnet, und sie fühlen sich papierdünn an. Ihr Braunwerden gehört zum normalen Ablauf: Mit dem Öffnen der Blüten haben sie ihre Aufgabe erfüllt und sterben ab. Wen sie stören, der nimmt sie vorsichtig mit einem scharfen Messer ab. Das Entfernen verlängert die Haltbarkeit nicht, es ist eine Frage der Optik. Das Messer bleibt dabei unterhalb der Blüte: Die farbigen Blütenblätter gehören zur Blüte selbst und bleiben dran.
Von Oktober bis April steht die Amaryllis als Schnittblume im Handel

Als Schnittblume ist die Amaryllis eine Winterblume. Von Oktober bis in den April steht sie im Handel, und das liegt an der Zwiebel: Sie wird vorgetrieben, damit die Blüte in den Winter fällt. In der Natur fällt ihre Blüte ins Frühjahr. Für den Einkauf heißt das: Auch im Januar liegt noch Ware im Laden, wenn der Adventstrubel längst vorbei ist. Wer im Oktober die erste Amaryllis im Laden sieht, hat also keinen Ausreißer vor sich, sondern den Anfang der Saison. Der Schwerpunkt im Handel liegt allerdings im November und Dezember.
Im Strauß braucht der schwere Schaft Partner, die ihm die Schau nicht stehlen. Bindegrün wie Eukalyptus oder Salal ist die ruhige Lösung, und zur Jahreszeit passen Tannen- oder Kiefernzweige. Wer mehr Farbe möchte, stellt Christrosen oder Hortensien dazu, und auch Tulpen machen sich gut. Ein einzelner Schaft in einer schmalen hohen Vase reicht für den Adventstisch, drei zusammen sehen wunderschön aus. Die hohe, standfeste Vase bleibt dabei gesetzt: Alles, was danebensteht, muss mit ihr zurechtkommen.
Bleibt das Zimmer über die Feiertage kühl, hat der Strauß die besseren Karten. Am Ende sind es ein bis zwei Wochen, in denen dieser eine Stiel das ganze Zimmer trägt. Im Advent steht er in fast jedem Wohnzimmer; was die Amaryllis bedeutet, ist eine eigene Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Soll man Amaryllis anschneiden?
Wann braucht die Amaryllis Wasser?
Was kann man ins Wasser geben, damit Schnittblumen länger halten?
Welche Blume hält am längsten in der Vase?
Warum rollt sich der Stiel der Amaryllis auf?
Artikel von
Anton PolitunGründer & Autor bei Blumengruss.de
Schreibt über Schnittblumen — ihre Bedeutung, Pflege und die Kunst, den richtigen Strauß zu wählen.