Damit Schnittblumen möglichst lange schön frisch aussehen, sollten sie angeschnitten werden, bevor man sie ins Wasser stellt. Aber wieso ist das überhaupt so? Und wie funktioniert das Anschneiden von Schnittblumen richtig? Wenn Sie Ihre Blumen bisher immer pflichtbewusst angeschnitten haben, sie aber meist trotzdem innerhalb kürzester Zeit vertrocknen, ist dieser Artikel für Sie.

Warum schneiden wir Schnittblumen an?
In der Natur werden Blumen dauerhaft mit Wasser versorgt. Wenn das Wasser über die Blätter und Blüten verdunstet, entsteht in der ganzen Pflanze ein Sog nach oben, wodurch neues Wasser aus der Erde aufgenommen wird. Schneidet man die Schnittblume ab, wird dieser Kreislauf unterbrochen und die Blume wird schnell welk, wenn man sie nicht ins Wasser stellt. Sollte man einen Strauß Schnittblumen also einfach möglichst schnell ins Wasser stellen?

Nicht ganz. Denn durch das Abschneiden der frischen Blume entsteht eine Art Wunde. Diese wird versiegelt, indem die Kapillargefäße an der Schnittfläche austrocknen und verholzen. Dazu reichen bereits 15 Minuten ohne Wasser aus. Stellt man die Blume danach einfach so ins Wasser, kann sie es durch die vertrockneten Gefäße nicht aufnehmen.
Die Lösung: Wir schneiden den Stängel frisch an, um die gesunden Kapillargefäße freizulegen und stellen die Blume erst dann ins Wasser. So kann sie problemlos Wasser aufnehmen und bleibt viel länger schön.
Optimale Technik zum Schneiden verschiedener Blumen
Ein weit verbreitete Regel lautet: Je größer die Schnittfläche ist, desto mehr Wasser kann die Blume aufnehmen. Aus diesem Grund werden Schnittblumen in der Regel schräg angeschnitten. Das ist jedoch nicht für alle Blumenarten die beste Lösung, schließlich brauchen manche Blumen gar nicht viel Wasser. In diesen Fällen sorgt zu viel Wasser sogar dafür, dass die Blumen schneller welt werden.
Schräge Schnitte für harte Stiele
Harte, holzige Stiele bedeuten normalerweise, dass die Schnittblumen einen erhöhten Wasserbedarf haben. Dann sollten Sie die Stiele etwa in einem 45°-Winkel schräg anschneiden. Beispiele für Schnittblumen, die viel Wasser brauchen und schräg angeschnitten werden sollten sind:
- Rosen
- Nelken
- Hortensien
- Lisianthus
- Ranunkel
- Pfingstrosen
Bei holzigen Stielen kommt es vor, dass Luftblasen in den Wasserleitbahnen eingeschlossen werden, wenn die Blume länger trocken liegt. Diese blockieren die Wasseraufnahme auch nachdem der Stiel angeschnitten wurde. Um Luftblasen zu lösen, können Sie die Stiele schräg anschneiden und sie direkt danach kurz in kochendes Wasser tauchen. Das verlangsamt auch das Wachstum von Bakterien.
Gerade Schnitte für empfindliche Blumen
Weiche und hohle Stiele weisen darauf hin, dass die Blumen mit weniger Wasser auskommen. Grundsätzlich sollte bei diesen Schnittblumen weniger Wasser in der Vase sein, da sie sonst schnell anfangen zu faulen. Außerdem sollten weiche Stiele gerade abgeschnitten werden. Zu den Beispielen für genügsame Schnittblumen gehören:
- Tulpen
- Narzissen
- Lilien
- Gladiolen
- Gerbera
- Sonneblumen
- Amaryllis
Einige Schnittblumen mit weichen Stielen sondern beim Anschneiden eine milchige Flüssigkeit oder Schleim ab. Dazu gehören zum Beispiel Narzissen und Hyazinthen. Diese Flüssigkeit enthält Stoffe, die für andere Blumen im Strauß giftig sein können und dafür sorgen, dass sie schneller welk werden. Um das zu verhindern, sollten solche Blumen nach dem Abschneiden erst einmal in eine getrennte Vase gestellt werden. Nach ein paar Stunden können Sie die Stiele dann abwaschen und die Schnittblumen zurück zum restlichen Strauß stellen.
Werkzeuge für das Anschneiden von Blumen
Einer der häufigsten Fehler beim Anschneiden von Blumen ist die Verwendung einer Schere. Eine Schere schneidet nicht sauber, sondern quetscht die Gefäße an der Kante zusammen. Das verhindert ebenfalls die Wasseraufnahme. Aus diesem Grund sollten Sie unbedingt ein scharfes Messer oder eine Gartenschere zum Anschneiden von Schnittblumen verwenden. Damit werden die Gefäße sauber durchtrennt und können weiterhin Wasser aufnehmen.

Schnittblumen nach dem Kauf anschneiden
Wenn Sie Schnittblumen nach dem Kauf anscheiden, sollten Sie mindestens 3-4 cm des Stiels abschneiden, da die Blumen wahrscheinlich bereits seit einer Weile trocken sind. Auch, wenn die Blumen frisch aus dem Laden stammen und dort im Wasser standen, sollten sie nochmal angeschnitten werden. Denn während die Blumen im Geschäft im Wasser standen, konnten sich an den offenen Schnittstellen bereits Bakterien bilden.
Diese verstopfen die Wasserleitbahnen und vermehren sich im Blumenwasser, bis der Stiel schließlich zu faulen beginnt. Das vermeiden Sie durch den Anschnitt. Begutachten Sie zudem jede Schnittblume: Wenn es bereits braune, schwarze oder weiche Stellen gibt, sollten Sie diese komplett abschneiden. Auch dort befinden sich Bakterien, die sich schnell auf die übrigen Blumen ausbreiten und den Strauß zum Welken bringen.
Wie oft sollten die Enden der Stiele nachgeschnitten werden?
Da auch in einer frischen Vase nach und nach Bakterien entstehen, die die Gefäße der Blumen verstopfen, sollten Sie die Schnittblumen täglich oder zumindest alle 2-3 Tage erneut anschneiden. Außerdem sollten Sie täglich das Blumenwasser wechseln, um eine Vermehrung der Bakterien zu vermeiden. Der Blumenstrauß wird es Ihnen danken, indem er bis zu zwei Wochen frisch und farbenfroh Ihre Wohnung schmückt.
Artikel von
Anton PolitunGründer & Autor bei Blumengruss.de
Schreibt über Schnittblumen — ihre Bedeutung, Pflege und die Kunst, den richtigen Strauß zu wählen.

