Lilien zählen zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt – auf Kreta schmückten sie Paläste, in China dienten ihre Zwiebeln als Heilmittel gegen Lungenbeschwerden. Die Bedeutung der Lilie reicht von Reinheit und Trauer über Leidenschaft bis zur griechischen Mythologie, wo die erste weiße Lilie aus einem Tropfen göttlicher Milch entstand.
Welche Farbe welche Botschaft sendet, warum blaue Lilien gar nicht existieren und zu welchen Anlässen ein Lilienstrauß die richtige Wahl ist – das erfahren Sie hier.
Inhaltsverzeichnis
Die Geschichte der Lilie — von China bis zur Christenheit
Die Lilie begleitet den Menschen seit mindestens 4.700 Jahren – als Heilpflanze, Nahrungsmittel und heiliges Symbol.
Die ältesten Spuren führen nach China. Unter dem Namen Po-he wurde die Tigerlilie bereits 2737 v. Chr. in einer Arzneimittelsammlung des legendären Kaisers Shennong erwähnt. Heiler setzten die Zwiebeln gegen Husten und Lungenbeschwerden ein. Doch die Lilie blieb in Asien nicht auf die Apotheke beschränkt: Bis heute werden die stärkereichen Zwiebeln dort als Lebensmittel angebaut. Ihr Geschmack erinnert an Pastinaken – leicht bitter, leicht süß.
Rund tausend Jahre später tauchte die Lilie am anderen Ende der Welt auf. Im Palast von Knossos auf Kreta verewigten minoische Künstler sie in Wandfresken. Das berühmte „Prince of the Lilies“-Relief entstand etwa 1500 v. Chr. und zeigt eine Figur mit Lilienkrone – ein Hinweis darauf, dass die Blume bereits damals als königliches Symbol galt.
Die Griechen verknüpften die Lilie eng mit ihrer Götterwelt. Homer beschrieb in der Ilias die „lilienweiche Haut“ des Helden Ajax. Die Stimmen der Musen nannte er „Lilienstimmen“ – ein Ausdruck, der Reinheit und Wohlklang zugleich meinte. Die Römer übernahmen den Kult und trieben ihn weiter: Sie füllten Kissen mit Lilienblüten für einen angenehmen Duft, gaben Lilienöl ins Badewasser und behandelten schmerzende Füße mit einem Extrakt namens Oleum susinum. Dieser Name leitet sich vom hebräischen Wort Shoshana ab – Lilie. Daraus entstand übrigens auch der Vorname Susanne.
Ein kulturelles Symbol verdient dabei besondere Erwähnung: die Fleur-de-Lis. Obwohl sie wörtlich „Lilienblume“ heißt, geht das Wappen der französischen Monarchie sehr wahrscheinlich auf die Schwertlilie (Iris) zurück – nicht auf eine botanische Lilie. Die Verwechslung hält sich hartnäckig seit Jahrhunderten, doch Botaniker und Heraldiker sind sich heute weitgehend einig: Das stilisierte Symbol zeigt eine Iris.
Mit dem Aufstieg des Christentums begann das wohl bekannteste Kapitel der Liliengeschichte. Die weiße Lilie wurde zum Symbol der Reinheit Marias. Doch um zu verstehen, warum ausgerechnet diese Blume diese Rolle übernahm, lohnt ein Blick auf den Mythos, der alles begann.
Der Hera-Mythos — wie die erste Lilie entstand
In der griechischen Mythologie verdankt die weiße Lilie ihre Entstehung einem Tropfen göttlicher Milch – und einer List des Göttervaters Zeus.
Zeus hatte mit der sterblichen Prinzessin Alkmene einen Sohn gezeugt: Herakles. Das Kind war stark, aber sterblich. Um ihm Unsterblichkeit zu verleihen, ersann Zeus einen Plan. Er beauftragte Hypnos, den Gott des Schlafes, seiner eifersüchtigen Ehefrau Hera einen Trank zu reichen, der sie in tiefen Schlummer versetzte. Als Hera schlief, legte Zeus den Säugling Herakles an ihre Brust. Das Kind trank die göttliche Milch – und erlangte damit übermenschliche Kräfte.
Doch beim Trinken fielen zwei Tropfen Milch. Der erste stieg zum Himmel auf und dehnte sich zum leuchtenden Band aus, das wir heute als Milchstraße kennen. Der zweite Tropfen fiel auf die Erde. Dort, wo er den Boden berührte, wuchs die erste weiße Lilie.
So entstand die tiefe Verbindung zwischen der Lilie und dem Göttlichen. Die Römer nannten die Blume deshalb „Rose der Juno“ – Juno war das römische Pendant zur griechischen Hera. Beide Kulturen krönten ihre Bräute am Hochzeitstag mit Lilienkränzen, als Zeichen für Reinheit und ein fruchtbares gemeinsames Leben. Eine Tradition, die bis in die Neuzeit nachwirkt.
Weiße Lilien — Symbol der Reinheit und Trauer
Die weiße Lilie ist das wohl vielseitigste Blumensymbol überhaupt: Je nach Kontext steht sie für Reinheit, Auferstehung oder tiefe Trauer. Kaum eine andere Blume bewegt sich so selbstverständlich zwischen Hochzeitsaltar und Trauerkranz.
Die Madonnenlilie in der christlichen Kunst
Als das Christentum die Symbolik der Antike übernahm, wurde aus dem Zeichen der griechischen Göttermutter Hera ein Attribut der Jungfrau Maria. Die weiße Lilie – botanisch Lilium candidum, die Madonnenlilie – erscheint in unzähligen Gemälden der Verkündigungsszene: Erzengel Gabriel hält Maria eine weiße Lilie entgegen, als er ihr die Geburt Jesu ankündigt. Die Blume stand für die makellose Empfängnis.
Im Spätmittelalter vertieften Mystiker die Symbolik noch weiter. Sie deuteten die sechs Blütenblätter der Madonnenlilie als sechs Tugenden der Gottesmutter – darunter Demut, Reinheit und Gehorsam. Die weiße Farbe verwies nicht nur auf Sündenfreiheit, sondern auf eine Reinheit, die über das Menschliche hinausging.
Eine verwandte Tradition knüpft sich an die Osterlilie (Lilium longiflorum), auch Bermuda-Lilie genannt. In der Osterzeit schmückt sie Kirchen und Altäre als Symbol der Auferstehung Christi. Ihre trompetenförmigen, reinweißen Blüten stehen für das Versprechen neuen Lebens nach dem Tod.
Im Mittelalter existierte zudem der Glaube, dass auf den Gräbern unschuldig verurteilter Menschen von selbst weiße Lilien wachsen würden – als himmlisches Zeichen, dass die Seele rein war. Dieser Brauch ist längst vergessen, doch die Lilie als Grabblume lebt fort.
Weiße Lilien als Trauerblume im DACH-Raum
Im deutschsprachigen Raum gehören weiße Lilien zu den wichtigsten Trauerblumen – vielleicht sogar zu den bedeutsamsten überhaupt. Lüder Nobbmann, ehemaliger Präsident des Bundes deutscher Friedhofsgärtner mit über 50 Jahren Berufserfahrung, beschreibt die Symbolik so: Bereits die Form der Lilie sei ein Hinweis auf den Tod, denn sie „öffnet sich gen Himmel“. Die weiße Farbe vermittle den Wunsch, „dass der Verstorbene unschuldig vor das Himmelstor treten soll“.
Gerade bei jung Verstorbenen sind weiße Lilien im Trauerkranz und Grabschmuck besonders verbreitet. Sie drücken nicht nur Anteilnahme aus, sondern auch die Überzeugung, dass die reine Seele Frieden gefunden hat.
Wichtig: Wer weiße Lilien als Geschenk zu einem freudigen Anlass mitbringt, sollte den Kontext bedenken. In Deutschland, Österreich und der Schweiz werden sie stark mit Trauer assoziiert. Tatsächlich lässt sich diese Assoziation aber leicht aufbrechen: Kombiniert man weiße Lilien mit frischem Grün – etwa Eukalyptus – oder bunten Blüten wie Gerbera, verwandelt sich die Symbolik in Hoffnung, Frische und Neubeginn.
Weiße Lilien zur Hochzeit
Die Lilie als Brautblume hat antike Wurzeln: Wie erwähnt krönten Griechen und Römer ihre Bräute mit Lilienkränzen als Symbol für ein reines, fruchtbares Leben. In den 1920er- und 1930er-Jahren erlebte die Lilie im Brautstrauß eine Renaissance. Weiße Lilien galten als Zeichen königlicher Eleganz – nicht zuletzt, weil sie in europäischen Adelshäusern zu Hochzeiten getragen wurden.
Besonders beliebt sind heute Orientalische Lilien der Sorte Casa Blanca mit ihren großen, reinweißen Blüten und dem intensiven Duft. Doch genau hier liegt ein Praxistipp: Der starke Duft orientalischer Lilien-Arten kann bei empfindlichen Gästen Kopfschmerzen oder Übelkeit auslösen – vor allem in geschlossenen Räumen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, greift zu geruchsarmen Asiatischen Hybriden oder lässt die Staubgefäße vor der Feier entfernen.
Lilien-Farben und ihre Bedeutung
Jede Lilienfarbe sendet eine eigene Botschaft – von zarter Bewunderung bis zur leidenschaftlichen Liebeserklärung. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick.
| Farbe | Bedeutung | Passender Anlass |
|---|---|---|
| Weiß | Reinheit, Unschuld, Trauer | Beerdigung, Hochzeit, Taufe |
| Rosa | Weiblichkeit, Bewunderung | Muttertag, Geburtstag |
| Pink | Liebe, Jugend, Lebensfreude | Freundschaft, Valentinstag |
| Rot | Leidenschaft, tiefe Liebe | Valentinstag, Jahrestag |
| Gelb | Dankbarkeit, Freundschaft | Dankeschön, Geburtstag |
| Orange | Selbstbewusstsein, Wärme | Jubiläum, Anerkennung |
| Lila | Würde, Spiritualität | Religiöse Anlässe, Bewunderung |
Besonders vielseitig sind rosa Lilien. Sie drücken Bewunderung aus, ohne die romantische Schwere einer roten Lilie zu tragen. Deshalb eignen sie sich gleichermaßen für Freundinnen, Schwestern und Kolleginnen. Gelbe und orange Lilien hingegen strahlen Energie und Optimismus aus – perfekt für Geburtstage oder als Dankeschön nach einer Einladung.
Und blaue Lilien? Die gibt es in der Natur schlicht nicht. Echte Lilien der Gattung Lilium kommen nicht in Blau vor. Was im Blumenhandel manchmal als „blaue Lilie“ angeboten wird, sind entweder gefärbte Schnittblumen oder Schmucklilien der Gattung Agapanthus – eine völlig andere Pflanzenfamilie (Amaryllisgewächse), die mit der echten Lilie nur den Volksnamen teilt. Wer gezielt nach blauen Blüten für einen Strauß sucht, ist mit Hortensien oder Iris besser beraten.
Lilien zu besonderen Anlässen verschenken
Lilien passen zu nahezu jedem Anlass – von der Hochzeit bis zur Trauerfeier, vom Muttertag bis zum spontanen Dankeschön. Entscheidend ist die Wahl der richtigen Farbe und manchmal auch die Kombination mit anderen Blumen im Strauß.
Hochzeit und Brautstrauß
Weiße Lilien symbolisieren Reinheit und Treue. Orientalische Sorten wie Casa Blanca verleihen dem Brautstrauß eine besonders edle Note. Wer den Strauß auflockern möchte, kombiniert weiße Lilien mit Schleierkraut oder zarten Rosen in Cremetönen. Auch als Tischdekoration bei der Feier machen Lilien eine eindrucksvolle Figur – allerdings sollten Sie bedenken, dass der Duft in geschlossenen Räumen intensiv wirken kann.
Trauer und Beerdigung
Zur Beerdigung sind weiße Lilien die traditionelle Wahl im deutschsprachigen Raum – als Trauerkranz, Gesteck oder einzelner Strauß. Sie drücken Anteilnahme aus und stehen für die Hoffnung auf ein friedliches Jenseits. Auch in Kondolenzsträußen sind weiße Lilien eine würdevolle Beigabe: Sie zeigen dem Trauernden, dass Sie seinen Verlust ernst nehmen.
Muttertag und Geburtstag
Rosa und gelbe Lilien eignen sich wunderbar, um Wertschätzung und Lebensfreude auszudrücken – ohne die schwere Symbolik der weißen Lilie. Ein Strauß aus pinken Lilien und Eustoma wirkt frisch, feminin und festlich zugleich. Zum Geburtstag darf es farbenfroher sein: Orange und Gelb strahlen Energie und Optimismus aus.
Valentinstag und romantische Anlässe
Rote Lilien sind eine ausdrucksstarke Alternative zu roten Rosen. Sie symbolisieren Leidenschaft, wirken dabei aber weniger abgegriffen als die klassische Rose. Eine Kombination aus roten und rosafarbenen Lilien ergibt einen romantischen Strauß mit Tiefe. Tatsächlich eignen sich Lilien auch hervorragend als Begleitung zu einem romantischen Abendessen – sie duften dezent und wirken auf dem Tisch elegant.
Geburt, Taufe und religiöse Feiern
Weiße Lilien stehen für Unschuld und neues Leben – das macht sie zur passenden Blume für Taufen, Kommunionen und Geburtsgeschenke. Ihre jahrhundertealte christliche Symbolik unterstreicht den feierlichen Rahmen, ohne aufdringlich zu wirken. Für eine Geburt empfiehlt sich allerdings eine Kombination mit farbigen Blumen, damit die weiße Lilie nicht als Trauerblume missverstanden wird.
Die Lilie in der Blumensprache
Im viktorianischen England trugen Blumen geheime Botschaften – eine Kunstform, die als Floriographie bekannt wurde. In dieser Sprache der Blumen ordnete man jeder Blüte, jeder Farbe eine präzise Bedeutung zu. Die weiße Lilie stand für „erhabene Liebe“ und Majestät.
Der Unterschied zur Rose ist dabei aufschlussreich: Während eine rote Rose leidenschaftliche, körperliche Liebe ausdrückt, steht die weiße Lilie für eine reinere, majestätischere Form der Zuneigung. Weniger impulsiv, dafür respektvoller. Wer im 19. Jahrhundert jemandem eine weiße Lilie überreichte, sagte damit: „Meine Liebe zu Ihnen ist erhaben.“
Doch nicht jede Lilienfarbe blieb so zurückhaltend. Orangefarbene Lilien galten in der viktorianischen Blumensprache als unmissverständliche Botschaft: „Ich brenne für Sie.“ Eine deutlich leidenschaftlichere Aussage als ihr weißes Pendant – und dennoch eleganter als die direkte rote Rose.
Auch heute lohnt es sich, bei der Farbwahl eines Lilienstraußes die alte Symbolik im Hinterkopf zu behalten. Nicht jeder kennt die viktorianische Blumensprache, doch die Assoziationen – Weiß für Reinheit, Rot für Leidenschaft, Gelb für Freundschaft – haben sich bis in unsere Zeit gehalten.
Lilien in der Vase — die wichtigsten Pflegetipps
Mit der richtigen Pflege halten Schnittlilien bis zu 14 Tage in der Vase. Der wichtigste Tipp: Entfernen Sie die Staubgefäße, bevor sich die Blüten vollständig öffnen. Der Pollen von Lilien hinterlässt hartnäckige Flecken auf Kleidung, Tischdecken und Möbeln – einmal eingerieben, lassen sie sich kaum noch entfernen. Ein schräger Anschnitt der Stiele und regelmäßiger Wasserwechsel alle zwei Tage verlängern die Haltbarkeit zusätzlich. Stellen Sie die Vase nicht in die Nähe von Obst: Äpfel und Bananen geben Ethylen ab, das die Blüten schneller welken lässt.
Achtung bei Haustieren: Lilien sind für Katzen hochgiftig – selbst der Pollen kann lebensgefährlich sein.
Ausführliche Pflegetipps finden Sie in unserem Guide: Lilien in der Vase richtig pflegen.
Was bedeuten Lilien als Geschenk?
Welche Bedeutung haben weiße Lilien?
Sind Lilien Trauerblumen?
Was symbolisiert die Lilie im Christentum?
Gibt es blaue Lilien?
Artikel von
Anton PolitunGründer & Autor bei Blumengruss.de
Schreibt über Schnittblumen — ihre Bedeutung, Pflege und die Kunst, den richtigen Strauß zu wählen.







