Weltweit existieren mehr als 110 Lilien-Arten — doch im Blumenhandel begegnen Ihnen vor allem fünf Sortengruppen als Schnittblumen. Jede bringt eigene Stärken in die Vase: von der duftlosen, farbenfrohen Asiatischen Lilie bis zur betörend duftenden Casa Blanca. Was die Gruppen unterscheidet, worauf beim Kauf zu achten ist und welche Sorte sich für welchen Anlass eignet, zeigt dieser Vergleich.
Inhaltsverzeichnis
Asiatische Lilien — die robuste Allrounderin ohne Duft
Asiatische Lilien duften nicht — und genau das macht sie zur vielseitigsten Schnittlilie. Wer ein Büro dekorieren, einen Essraum aufhellen oder einem Allergiker eine Freude machen möchte, greift zu dieser Gruppe. Sie bieten die größte Farbpalette aller Lilien — von Weiß über Gelb bis hin zu kräftigem Rot. Dazu kommen Rosa und Orange, Violett in verschiedenen Abstufungen sowie zahlreiche mehrfarbige Spielarten. Kein anderer Lilientyp deckt ein solches Spektrum ab.
Dazu kommt die Haltbarkeit. Mit 10 bis 14 Tagen in der Vase übertreffen Asiatische Lilien die meisten anderen Schnittblumen. Die Stiele sind stabil, die Blüten öffnen sich aufrecht oder seitwärts — nie hängend. Beliebte Sorten tragen Namen wie Enchantment (kräftiges Orange), Connecticut King (sattes Goldgelb) und Navona (Reinweiß).
Ein praktischer Aspekt: Asiatische Lilien gehören zum günstigsten Preissegment. In vielen Supermärkten stehen sie das ganze Jahr über im Regal — oft ohne Sortenangabe, aber fast immer als Asiatische Hybriden. Für den Einstieg in die Welt der Lilien sind sie die unkomplizierteste Wahl.
Orientalische Lilien — große Blüten, intensiver Duft
Stargazer und Casa Blanca — zwei Sorten, die nahezu jeder Blumenliebhaber kennt. Die pinke Stargazer mit ihrem weißen Rand und den roten Tupfen gilt als eine der bekanntesten Liliensorten weltweit. Casa Blanca hingegen beeindruckt mit reinweißen Blüten bis 20 Zentimeter Durchmesser und einem süßen, schweren Duft. Beide gehören zur Gruppe der Orientalischen Lilien.
Diese Lilien sind die Diven unter den Schnittblumen. Ihre Blüten erreichen 15 bis 20 Zentimeter, der Duft füllt an warmen Sommerabenden ganze Räume. In Brautsträußen und bei festlichen Anlässen setzen sie Akzente, die kaum eine andere Blume erreicht. Allerdings hat dieser Duft eine Kehrseite: Bei empfindlichen Menschen kann er Kopfschmerzen und Übelkeit auslösen — besonders in geschlossenen Räumen oder im Schlafzimmer. Manche Floristen empfehlen, die Blumen erst am Morgen der Feier in den Raum zu stellen, damit sich der Duft nicht über Nacht staut.
Auch bei der Haltbarkeit liegen Orientalische Lilien hinter ihren asiatischen Verwandten: 7 bis 10 Tage sind realistisch. Dafür entfalten die Knospen sich nacheinander über mehrere Tage — der Strauß erneuert sich gewissermaßen selbst. Wer Orientalische Lilien kauft, sollte Stiele mit möglichst vielen geschlossenen Knospen wählen: Je mehr Knospen noch vor dem Öffnen stehen, desto länger dauert das Blühspektakel. Ein Tipp: Entfernen Sie die Staubgefäße rechtzeitig. Der kräftige Pollen hinterlässt auf Kleidung und Tischdecken Flecken, die sich kaum mehr entfernen lassen.
LA-Hybride — der Geheimtipp unter den Schnittlilien
LA-Hybride wurden im 20. Jahrhundert gezielt für die Schnittblumen-Industrie gezüchtet — als Kreuzung aus Longiflorum und Asiatischer Lilie. Das Ergebnis vereint das Beste beider Eltern: große Blüten wie bei der Longiflorum, die Robustheit und Farbvielfalt der Asiatischen. Der Duft bleibt dezent — angenehm wahrnehmbar, aber nie aufdringlich. Viele Treibgärtnereien in den Niederlanden produzieren heute überwiegend LA-Hybride für den europäischen Markt.
Mit 12 bis 14 Tagen Vasenleben erreichen sie die längste Haltbarkeit aller Lilien-Gruppen. Trotzdem kennen die wenigsten Endverbraucher ihren Namen. Im Blumenladen stehen sie oft ohne Etikettierung neben Asiatischen Lilien — dabei sind sie die zuverlässigste Schnittlilie, die man kaufen kann. Erkennungsmerkmal: Die Blüten sind größer als bei Asiatischen, der Stiel kräftiger, und beim Riechen nehmen Sie einen leichten, fast blumig-frischen Hauch wahr. Wer im Geschäft nach LA-Hybriden fragt, erntet manchmal irritierte Blicke — doch es lohnt sich.
OT-Hybride — riesige Blüten für große Vasen
OT-Hybride produzieren die größten Blüten aller Lilien-Gruppen — bis zu 30 Zentimeter im Durchmesser. Im Garten werden sie über zwei Meter hoch, was ihnen den Beinamen „Tree Lilies“ oder Baumlilien eingebracht hat. Als Schnittblume benötigen sie eine entsprechend hohe Vase, belohnen aber mit einem imposanten Auftritt.
Der Duft fällt milder aus als bei reinen Orientalischen Lilien — angenehm wahrnehmbar, ohne zu dominieren. Die Haltbarkeit liegt bei 12 bis 14 Tagen. Trotz ihrer exotischen Erscheinung sind OT-Hybride erstaunlich pflegeleicht: Frisches Wasser, ein schräger Anschnitt und ein kühler Standort genügen. In hohen Bodenvasen wirken sie wie ein natürliches Raumarrangement. Einzelne Stiele reichen bereits aus, um eine Ecke zu verwandeln. Für kleine Sträuße oder flache Schalen sind sie allerdings ungeeignet: Die schiere Größe der Blüten verlangt nach entsprechendem Raum.
Longiflorum — die klassische Osterlilie
Die Osterlilie schmückt zur Osterzeit Kirchen in ganz Europa — und gehört zu den bedeutendsten Lilien-Arten in der Trauerfloristik. Botanisch heißt sie Lilium longiflorum, im Handel begegnet sie auch als Bermuda-Lilie, benannt nach ihrem früheren Hauptanbaugebiet.
Ihre trompetenförmigen, reinweißen Blüten werden bis zu 16 Zentimeter lang und verströmen einen dezenten, eleganten Duft. In der Vase halten sie 10 bis 12 Tage. Anders als bei den farbenprächtigen Asiatischen Lilien beschränkt sich das Farbspektrum auf Weiß — doch gerade diese Zurückhaltung verleiht der Longiflorum ihre besondere Würde. Bei Trauergestecken ist sie seit Generationen die erste Wahl. Auch Taufen und kirchliche Feiern begleitet sie mit ihrer stillen Eleganz. Mehr zur Symbolik erfahren Sie unter Lilien Bedeutung.
Alle Schnittlilien im Vergleich
Fünf Lilien-Gruppen — ein Überblick. Die folgende Tabelle zeigt, welche Sorte sich für welchen Anlass eignet und worauf Sie beim Kauf achten sollten.
| Sorte | Blütengröße | Duft | Haltbarkeit | Farben | Bester Anlass |
|---|---|---|---|---|---|
| Asiatische | 10–15 cm | Keiner | 10–14 Tage | Alle Farben | Geburtstag, Büro |
| Orientalische | 15–20 cm | Intensiv | 7–10 Tage | Weiß, Rosa, Pink | Hochzeit, Valentinstag |
| LA-Hybride | 12–18 cm | Leicht | 12–14 Tage | Weiß, Rosa, Gelb | Allround-Schnittblume |
| OT-Hybride | 20–30 cm | Mittel | 12–14 Tage | Weiß, Gelb, Rosa | Statement-Strauß |
| Longiflorum | 10–16 cm | Dezent | 10–12 Tage | Reinweiß | Trauer, Ostern, Hochzeit |
Ein allgemeiner Pflegetipp für alle Gruppen: Kaufen Sie Lilien mit noch geschlossenen Knospen. Die Blüten öffnen sich zu Hause nacheinander — so haben Sie über Tage hinweg frische Blüten in der Vase. Weitere Tipps finden Sie in unserem Guide Lilien in der Vase richtig pflegen. Einen allgemeinen Überblick darüber, welche Schnittblumen am längsten halten, bietet unser Haltbarkeitsvergleich.
Diese „Lilien“ sind gar keine — Calla, Taglilie, Maiglöckchen
Im Blumenhandel werden mehrere Pflanzen als „Lilie“ verkauft, die botanisch gar keine sind. Die Verwechslung geht auf volkstümliche Namen zurück — und kann bei Katzenbesitzern gefährlich werden.
Die Calla (Zantedeschia) gehört zu den Aronstabgewächsen. Ihre elegante Trichterform erinnert an eine Lilie, doch die Verwandtschaft endet beim Namen. Botanisch ist sie weder eine Lilie noch eine echte Calla — eine doppelte Fehlbenennung, die sich hartnäckig hält. In Brautsträußen ist die Calla beliebt, als Ersatz für echte Lilien taugt sie aber weder botanisch noch symbolisch.
Taglilien (Hemerocallis) tragen „Lilie“ im Namen, bilden aber keine Zwiebeln, sondern Rhizome. Jede einzelne Blüte lebt nur einen Tag — daher der Name. Sie gehören zur Familie der Grasbaumgewächse, nicht zur Gattung Lilium.
Maiglöckchen (Convallaria majalis) werden manchmal als Maienlilie bezeichnet, sind aber Spargelgewächse. Sie sind hochgiftig und haben mit Lilien keinerlei Verwandtschaft. Ebenso die Schmucklilie (Agapanthus) — oft als „blaue Lilie“ beworben, tatsächlich ein Amaryllisgewächs aus Südafrika.
Für Katzenbesitzer ein wichtiger Hinweis: Sowohl echte Lilien als auch Taglilien sind für Katzen hochgiftig. Schon der Kontakt mit Pollen kann lebensgefährlich sein.
Häufig gestellte Fragen
Welche Lilien-Art hält in der Vase am längsten?
Welche Lilien duften nicht?
Ist eine Calla eine Lilie?
Artikel von
Anton PolitunGründer & Autor bei Blumengruss.de
Schreibt über Schnittblumen — ihre Bedeutung, Pflege und die Kunst, den richtigen Strauß zu wählen.




