Die Amaryllis ist giftig – für Katzen, Hunde und Menschen. Gefährlich wird sie beim Fressen: In der Zwiebel steckt die höchste Konzentration der Alkaloide. Hat Ihre Katze daran geknabbert, rufen Sie zuerst in Ihrer Tierarztpraxis an. Wie schwer eine Vergiftung verläuft, hängt vor allem an der Menge.
Den Ausschlag geben zwei Angaben: wie viel von der Pflanze im Spiel war und ob davon etwas geschluckt wurde. Ein Stück Zwiebel verändert die Einschätzung dabei stärker als ein angeknabbertes Blatt. Am Ende steht der Platz, an dem die Blume niemanden mehr in Versuchung führt. Wegwerfen muss sie deshalb niemand: Der Standort löst das Problem dauerhaft.
Inhaltsverzeichnis

Wenn Ihre Katze an der Amaryllis geknabbert hat: die ersten Schritte
Rufen Sie zuerst in Ihrer Tierarztpraxis an – auch dann, wenn Ihre Katze nur an einem Blatt geknabbert hat und noch munter wirkt. Schwere Vergiftungen sind bei Katzen bekannt, und ob der Fall harmlos bleibt, entscheidet die tierärztliche Kontrolle und nicht das Beobachten zu Hause (Tox Info Suisse). Am Telefon wird eingeschätzt, ob Ihre Katze in die Praxis muss und wie schnell. Beschreiben Sie dabei, welcher Pflanzenteil betroffen war und wie viel davon fehlt. Die folgenden fünf Schritte gelten in dieser Reihenfolge:
- Sofort in der Tierarztpraxis anrufen, außerhalb der Sprechzeiten beim tierärztlichen Notdienst. Der Anruf steht am Anfang, auch bei kleiner Menge.
- Pflanzenreste aus dem Maul räumen und die Pflanze außer Reichweite bringen, damit Ihre Katze nicht ein zweites Mal herangeht. Reste im Maul werden sonst nachträglich verschluckt.
- Kein Erbrechen selbst auslösen. Erbrechen und Kohle gehören zur Dekontamination und damit in die Hand der Praxis.
- Keine Hausmittel und keine Medikamente aus der Hausapotheke auf eigene Faust geben. Ob überhaupt etwas gegeben wird, klärt der Anruf.
- Notieren, was und wie viel gefressen wurde. Die Zwiebel trägt den höchsten Giftstoffgehalt, deshalb verändert schon dieser eine Hinweis die Einschätzung.
Was in der Tierarztpraxis passiert
Ein Gegengift ist nicht bekannt (Tox Info Suisse). Behandelt wird trotzdem wirksam: Die Praxis entscheidet über die Dekontamination, behandelt die Symptome und setzt Atropin als Gegenspieler ein, bei Bedarf kommen Infusionen dazu (CliniTox). Bei rechtzeitiger tierärztlicher Behandlung ist die Prognose gut (PetsVetCheck), und zugleich sind nach größeren Mengen schwere und tödliche Verläufe bekannt (Tox Info Suisse).
Dieser Text ersetzt weder ärztliche noch tierärztliche Beratung.
Die ersten Zeichen zeigen sich bei der Katze im Magen-Darm-Trakt

Nach dem Fressen zeigt eine Katze zuerst Speicheln, Erbrechen und Durchfall; die ersten Zeichen treten meist innerhalb weniger Stunden auf (PetsVetCheck). Der belastbare Rahmen sind wenige Stunden nach der Aufnahme. Wie schnell die Zeichen kommen, hängt auch davon ab, wie viel gefressen wurde.
Das Speicheln beginnt oft unmittelbar nach dem Kontakt, das Erbrechen fällt stark aus und kann Blutbeimengungen enthalten, der Durchfall setzt rasch ein (PetsVetCheck). Dazu kommen Koordinationsstörungen: Die Katze wirkt unsicher auf den Beinen. Wie stark das ausfällt, hängt an der Menge und am Pflanzenteil. Nicht jede Katze zeigt dasselbe Bild: Das eine Tier wirkt vor allem teilnahmslos, das andere erbricht mehrfach und mit Blutbeimengungen. Beginnt das Erbrechen, ist der Anruf längst überfällig.
Nach großen Mengen kommt eine zweite Stufe hinzu: Krämpfe, niedriger Blutdruck, Zittern und Herzrhythmusstörungen (ASPCA). Diese schweren Zeichen sind ausdrücklich an große Mengen gebunden und nicht an jedes angeknabberte Blatt. Solche Verläufe gehören in die Praxis und nicht in die Beobachtung zu Hause.
Die folgende Übersicht ordnet die typischen Zeichen und den jeweils ersten Schritt nach Betroffenen.
| Wer | Typische Zeichen | Erster Schritt |
|---|---|---|
| Katze | Speicheln, starkes, teils blutiges Erbrechen, Durchfall, Koordinationsstörungen; nach großen Mengen Zittern, niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen | sofort in der Tierarztpraxis anrufen |
| Hund | Erbrechen, Speicheln, Durchfall, Bauchschmerzen; nach der Zwiebel zusätzlich Fremdkörperrisiko | sofort in der Tierarztpraxis anrufen |
| Mensch und Kind | nach kleinen Pflanzenteilen meist geringe oder keine Symptome; nach größeren Mengen Magen-Darm-Beschwerden | Mund ausspülen, trinken lassen; nach der Zwiebel oder größeren Mengen das Giftinformationszentrum anrufen |
Ein symptomfreies Zeitfenster ist keine Entwarnung. Auf Zeichen zu warten ist deshalb kein Plan: Der Anruf in der Tierarztpraxis steht davor, und zwar unabhängig davon, wie munter Ihre Katze gerade wirkt.
Giftig ist die ganze Pflanze, am stärksten die Zwiebel

Giftig sind alle Teile der Amaryllis, und die höchste Konzentration der Alkaloide steckt in der Zwiebel (Tox Info Suisse). Lycorin ist dabei das Leitalkaloid der Amaryllisgewächse, daneben stehen Tazettin, Haemanthamin und weitere Verbindungen; die Einstufung lautet stark giftig (CliniTox). Verkauft wird im Advent der Ritterstern (Hippeastrum), botanisch eine andere Gattung als die echte Amaryllis, im Laden heißen beide gleich. Für den Haushalt bleiben es zwei Stufen: die Zwiebel an der Spitze, alle übrigen Teile darunter.
Dieselben Alkaloide stecken in allen Pflanzenteilen, nur in unterschiedlicher Menge:
- Die Zwiebel trägt den höchsten Gehalt an Alkaloiden und macht im Ernstfall den Unterschied.
- Blätter, Stängel und Blüten sind ebenfalls giftig, deshalb ist auch angeknabbertes Grün ein Grund für den Anruf.
- Der austretende Pflanzensaft kann Haut und Schleimhäute reizen, besonders beim Schneiden.
Im Schnittblumenstrauß steckt keine Zwiebel. Doch im Topf ist sie erreichbar: Gesetzt wird sie nur zur Hälfte unter die Erde, der schmale Hals bleibt deutlich über der Erdlinie. Steht die Pflanze so im Topf, kommen Katze und Hund an den giftigsten Teil. Für den Alltag heißt das: Jedes angeknabberte Pflanzenteil zählt, aber ein Zwiebelstück wiegt schwerer als ein Stück Blatt.
Dasselbe Leitalkaloid steckt in den Zwiebeln der Narzissen, die zur selben Pflanzenfamilie gehören; was das für Narzissen im Katzenhaushalt bedeutet, steht auf einer eigenen Seite. Wie schwer eine Vergiftung verläuft, entscheidet allerdings nicht der Pflanzenteil allein.
Die Menge entscheidet über den Verlauf
Wie schwer eine Vergiftung verläuft, hängt an der aufgenommenen Menge – eine Grenze in Gramm gibt es nicht. Entscheidend ist, welcher Teil in welcher Menge gefressen wurde: Ein Stück Blatt ist eine andere Ausgangslage als ein Stück Zwiebel.
Belegt ist die Richtung: Schwere Zeichen wie Krämpfe, Blutdruckabfall und Herzrhythmusstörungen sind ausdrücklich an große Mengen gebunden (ASPCA). In einer kontrollierten Studie an Hunden löste Lycorin dosisabhängig Übelkeit und Erbrechen aus, und zwar spätestens zweieinhalb Stunden nach der Gabe (PubMed). Der Wirkstoff wurde dort unter die Haut gespritzt und nicht gefressen. Bleibt die Richtung: mehr Substanz, deutlichere Reaktion.
Eine letale Dosis ist nicht bekannt (CliniTox). Damit steht die Menge im Mittelpunkt und nicht ein Grenzwert, den man nachschlagen könnte.
Die Zahl, die im Netz kursiert, stammt aus dem Steckbrief der südafrikanischen Belladonnalilie (PTA-Forum), einer anderen Gattung als der im Advent verkaufte Ritterstern. Beide Pflanzen werden umgangssprachlich Amaryllis genannt. Daraus folgt nicht, dass der Ritterstern harmloser wäre: Beide Gattungen gelten als stark giftig. Welche der beiden im Handel steht und wie man sie auseinanderhält, klärt Amaryllis oder Ritterstern.
„Nicht bekannt“ heißt nicht „ungefährlich“: Für die Einschätzung zählt, was gefressen wurde und wie viel, und das klärt der Anruf in der Tierarztpraxis.
Hunde graben die Zwiebel aus und fressen damit den giftigsten Teil

Beim Hund ist weniger das angeknabberte Blatt das Problem als die ausgegrabene Zwiebel. Der Unterschied zur Katze liegt im Zugang: Die Katze knabbert an dem, was in Reichweite steht, der Hund arbeitet sich zur Zwiebel durch.
Hunde buddeln, werfen den Topf um und kommen so an den Teil mit der höchsten Konzentration. Im Topf liegt die Zwiebel nicht tief, und lockere Erde lädt zum Graben ein. Für einen Hund, der die ganze Zwiebel ausgegraben und gefressen hat, gilt: lebensbedrohliche Symptome sind möglich, und der Weg führt sofort in die Tierarztpraxis (Tox Info Suisse). Zwiebelstücke bringen beim Hund zusätzlich ein Fremdkörperrisiko mit (PetsVetCheck). Die Zeichen selbst unterscheiden sich nicht grundsätzlich von denen der Katze.
Was Sie tun, ändert sich dadurch nicht: Der Anruf in der Tierarztpraxis steht auch beim Hund an erster Stelle, und was gefressen wurde, gehört ins Gespräch. Sagen Sie dabei, ob Zwiebelmaterial im Spiel war, denn genau diese Angabe verändert die Einschätzung. Eigenmächtig Erbrechen auszulösen ist auch hier keine Option.
Auch für Kaninchen, andere Nager und Vögel gilt der Ritterstern als giftig (Botanikus). Wer Kaninchen frei laufen lässt oder einen Vogel im Zimmer hält, stellt die Pflanze deshalb genauso außer Reichweite.
Für Menschen und Kinder zählt, was tatsächlich im Mund gelandet ist
Beim Menschen entscheidet die Menge: Nach kleinen Pflanzenteilen sind meist geringe oder gar keine Symptome zu erwarten, nach der Zwiebel gilt etwas anderes. Erwachsene kommen meist beim Umtopfen oder beim Anschneiden mit der Pflanze in Kontakt, Kinder beim Spielen; entscheidend ist in beiden Fällen, ob etwas verschluckt wurde.
Aus neuerer Zeit sind keine schweren Kindervergiftungen bekannt (Tox Info Suisse). Das ist eine Aussage über den Kenntnisstand und keine Entwarnung für die Zwiebel. Genau dort verläuft die Grenze: Ein abgeschlecktes Blütenblatt oder ein Biss in den Stängel führt meist zu geringen oder gar keinen Symptomen; für Zwiebelmaterial und größere Mengen gilt das nicht. In einem Beispiel biss ein einjähriges Kind in einen Amaryllisstängel; die Einschätzung lautete harmlos, mit Mund ausspülen und etwas trinken. Der Stängel ist hohl und weich, ein Kind beißt schnell hinein.
Hatte ein Kind Pflanzenteile im Mund, wird kein Erbrechen herbeigeführt. Entfernen Sie die Reste, spülen Sie den Mund aus und geben Sie ein bis zwei Gläser klare, fettfreie Flüssigkeit zu trinken (Tox Info Suisse). Fettfreie Flüssigkeit bedeutet Wasser oder Tee, Milch gehört nicht dazu. Nach der Zwiebel oder größeren Mengen gehört der Anruf beim Giftinformationszentrum dazu; Aktivkohle kommt nur nach ärztlicher Rücksprache infrage.
Für den Menschen ist das Giftinformationszentrum der richtige Ansprechpartner, die Zentren der Länder sind unter eigenen Nummern erreichbar (BfR):
- Berlin: 030 19240
- Bonn: 0228 19240
- Erfurt: 0361 730730
Der Anruf ist auch dann richtig, wenn Sie unsicher sind, ob überhaupt etwas im Mund gelandet ist.
Pflanzensaft reizt die Haut, gefährlich wird erst das Verschlucken

Nach Haut- oder Augenkontakt mit dem Pflanzensaft ist nicht mit einer Vergiftung zu rechnen – eine Reizung ist möglich, und die Haut wird einfach abgespült (Tox Info Suisse).
Im Dezember steht die Amaryllis oft mitten auf dem Tisch. Sie wird umgestellt und nachgeschnitten, und genau dabei kommt der Saft an die Hände. Drei Dinge werden dann gern vermischt. Eine Vergiftung entsteht durch das Verschlucken von Pflanzenteilen. Der Saft selbst wirkt lokal entzündend und kann eine Kontaktdermatitis auslösen (CliniTox). Davon zu trennen ist die echte Allergie: beschrieben vor allem bei Menschen, die beruflich regelmäßig mit der Pflanze oder ihrem Saft zu tun haben (Tox Info Suisse).
Für den Alltag heißt das: Die Blume darf angefasst und in die Vase gestellt werden. Wer empfindlich auf Pflanzensäfte reagiert, merkt das an einer geröteten Stelle an der Hand. Die Bedingung für die Allergie ist der regelmäßige Kontakt, also die tägliche Arbeit mit der Pflanze im Blumenladen oder in der Gärtnerei und nicht der eine Strauß im Advent. Doch die Unterscheidung ist keine Haarspalterei, sie entscheidet darüber, ob Sie die Hände waschen oder zum Telefon greifen.
Beschrieben ist außerdem ein Einzelfall bei einem Hund, der mit einer allergischen Dermatitis und positivem Allergietest reagierte (CliniTox).
Handschuhe beim Schneiden und Umtopfen
Wer die Amaryllis anschneidet oder verblühte Teile entfernt, zieht Handschuhe an und wäscht danach die Hände. Das ist Vorsicht und keine Notmaßnahme: Die Handschuhe halten den Saft von der Haut, mehr sollen sie nicht leisten. Kommt Saft ins Auge, spülen Sie zehn bis fünfzehn Minuten mit Wasser. Diese zehn bis fünfzehn Minuten sind wörtlich gemeint und fühlen sich länger an, als sie klingen.
So steht die Amaryllis außer Reichweite von Katze und Kind

Die einfachste Lösung ist der Standort: Topfpflanze wie Schnittblume gehören dorthin, wo Katze, Hund und Kleinkind nicht hinkommen (Tox Info Suisse).
Zwischen Topf und Vase gibt es dabei einen Unterschied. Im Strauß fehlt die Zwiebel, im Topf steht ihr Hals frei über der Erde. Daraus ziehen wir den Schluss: Der Topf ist der kritischere Platz, und er gehört weder auf den Boden noch auf die niedrige Fensterbank. Erhöht heißt allerdings nicht automatisch sicher, denn eine Katze kommt auf Sideboard und Fensterbank; ein Zimmer, das Sie schließen können, ist die verlässlichere Lösung. Für das Kleinkind gilt dieselbe Regel, hier hilft die Höhe schon deutlich mehr.
Ein Stiel von bis zu 80 cm trägt zwei bis sechs große Trichterblüten, und pro Zwiebel treiben ein bis zwei solcher Stiele. Das Gewicht sitzt oben, deshalb braucht die Pflanze einen standfesten, erhöhten Platz. Ein umgeworfener Topf legt die Zwiebel frei und macht aus der Vorsichtsfrage einen Ernstfall. Auch abgefallene Blütenblätter gehören dazu: Sie landen auf dem Boden und sind für die Katze am leichtesten erreichbar.
Wie die Schnittblume gepflegt wird, steht bei Amaryllis in der Vase. Für andere Winterblumen gelten eigene Antworten, etwa was für echte Lilien gilt.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert es bis Vergiftungserscheinungen bei Katzen auftreten?
Ist das Amaryllisgewächs giftig?
Ist das Vasenwasser der Amaryllis giftig?
Ist der Blütenstaub der Amaryllis giftig?
Welche Pflanzen sollte man nicht haben, wenn man Katzen hat?
Artikel von
Anton PolitunGründer & Autor bei Blumengruss.de
Schreibt über Schnittblumen — ihre Bedeutung, Pflege und die Kunst, den richtigen Strauß zu wählen.