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Lavendel und seine Bedeutung: Symbolik, Farben und Herkunft

Lavendel bedeutet in der Blumensprache vor allem Ruhe und Reinheit, dazu Hingabe und Beständigkeit. Die ältere Überlieferung liest die Blüte anders: Dort steht sie für Misstrauen. Wer heute einen Lavendelstrauß verschenkt, meint Gelassenheit und Wertschätzung, ob als Dank, zum Einzug oder als Sommergruß zwischen Juni und August.

Vor dem Blumenladen entscheidet meist der Bauch: Der Duft gefällt, das Violett wirkt ruhig. Welche Botschaft dann im Strauß mitgeht, hängt vom Anlass ab und ein wenig davon, welche Überlieferung der Beschenkte kennt. Ein Dank fällt anders aus als ein Genesungswunsch. Und der Name des Lavendels erzählt eine eigene kleine Geschichte, die bis ins 9. Jahrhundert zurückreicht und mit der Wäschetruhe zu tun hat.

Inhaltsverzeichnis

Blühendes Lavendelfeld im Mittelmeerraum, Heimat des Echten Lavendels, dessen Name vom lateinischen lavare für waschen stammt
Foto: Baraa Jalahej / Pexels

Wofür Lavendel in der Blumensprache steht

Einzelne Lavendelähre in Nahaufnahme: die violetten Blütenquirle am Stiel, Sinnbild für die Bedeutung von Ruhe und Hingabe

In der Blumensprache steht Lavendel für Ruhe, Reinheit und Hingabe. Das ist eine leise Botschaft, und sie hält sich: Getrocknet behält der Strauß dieselbe Aussage, auch wenn die Blütezeit im August längst vorbei ist. Diese fünf Lesarten stecken darin:

  • Ruhe und Gelassenheit: die Lesart für jemanden, der zur Ruhe kommen soll.
  • Reinheit: passt zum Neuanfang, etwa zur neuen Wohnung oder zum ersten eigenen Zuhause.
  • Hingabe und Beständigkeit: die Bedeutung, die den Lavendel in den Brautstrauß bringt.
  • Zärtlichkeit und Wertschätzung: die stillere Variante des Dankeschöns, ohne die große Geste.
  • Stille und Anmut: für Menschen, denen ein lauter Strauß unangenehm wäre.

In der Überlieferung laufen zwei weitere Zuschreibungen mit: Sauberkeit und Mitgefühl. Die eine kommt aus der Wäschetruhe und dem Badezusatz, die andere macht den Lavendel zur passenden Blume für den Krankenbesuch, bei dem ein üppiger Strauß zu viel wäre. Ausschlaggebend ist natürlich auch, mit welchen Blumen Sie ihn kombinieren: Im gemischten Strauß klingt immer mehr als eine Botschaft an.

Heute wird Lavendel gern mit Heilung und Genesung verbunden. Das ist eine Lesart von heute, und für den Genesungswunsch reicht sie völlig. Für Treue steht Lavendel nicht; überliefert sind Hingabe und Beständigkeit. Wer Beständigkeit meint, liegt mit ihm also richtig; wer ein Treueversprechen mitgeben will, sagt es besser dazu.

Doch die freundliche Lesart ist die jüngere Hälfte der Geschichte. Die ältere klingt anders.

Die ältere Deutung des Lavendels lautet Misstrauen

Gebundener Bund getrockneter Lavendel auf dunklem Grund: die ältere Deutung des Lavendels stammt aus dem 19. Jahrhundert

In der viktorianischen Blumensprache trägt Lavendel genau eine Bedeutung, und die ist unfreundlich: Misstrauen. In den Wörterbüchern des 19. Jahrhunderts steht er in beiden Richtungen unter „Distrust“ (Kate Greenaway, Language of Flowers, 1884). Dort bleibt es bei dieser einen Bedeutung, und auf Deutsch heißt derselbe Eintrag „Ich misstraue dir“.

Tatsächlich waren diese Wörterbücher in beide Richtungen angelegt: Man schlug die Blume nach und bekam die Botschaft, oder man schlug die Botschaft nach und bekam die Blume. Für das Misstrauen war der Lavendel zuständig.

Ein Strauß war damals eine Nachricht, und manche dieser Nachrichten waren unfreundlich. Die gelbe Rose stand für nachlassende Liebe, die gestreifte Nelke für Zurückweisung; was die Nelke sonst noch sagt, steht in der Bedeutung der Nelke.

Wer heute einen Lavendelstrauß bekommt, denkt an den Sommer und an den Duft. Im 19. Jahrhundert hätte derselbe Strauß eine Ansage sein können.

Erklären lässt sich die Zuschreibung mit dem Vier-Räuber-Essig, einem Pestmittel mit Lavendel, das man Grabräubern nachsagte. Daher rühren die Nebenbedeutungen Diebstahl und Selbstschutz, und von dort führt die Linie zum Misstrauen.

Älter als das Misstrauen ist ein Schutzgedanke: Im mittelalterlichen Volksglauben galt Lavendel als Abwehrmittel gegen Dämonen- und Hexenzauber jeder Art. Das ist die zweite alte Lesart, und sie ist die freundlichere von beiden.

Eine Trauerbedeutung ist für Lavendel nicht überliefert. Wer ihn zur Kondolenz bringt, bringt die Lesart von Ruhe und Reinheit mit, und die passt zu diesem Anlass gut.

Ob die alte Deutung beim Schenken eine Rolle spielt, hängt am Beschenkten: Wer die Liste kennt, liest sie im Strauß mit. Für alle anderen bleibt der Lavendel die ruhige Sommerblüte, als die er heute gemeint ist. Ein Wort dazu nimmt der alten Deutung ohnehin die Spitze: Wer sagt, dass er Ruhe schenken wollte, hat die Frage beantwortet, bevor sie aufkommt.

Weißer und rosa Lavendel tragen dieselbe Bedeutung wie violetter

Weiß blühender und violetter Lavendel nebeneinander im Feld: die Blütenfarbe ändert die Bedeutung des Lavendels nicht

Für einzelne Blütenfarben des Lavendels ist keine eigene Bedeutung überliefert; es gilt die Lesart der Blüte. Botanisch gibt es die Unterschiede durchaus: Der Echte Lavendel zählt über 40 Sorten, deren Blütenähren von Blau-Violett über Violett-Blau bis Weiß-Rosa reichen. Schneeweiß blüht die Zwergsorte ‚Nana Alba‘, die im Handel auch als ‚Dwarf White‘ oder ‚Baby White‘ läuft; rosa blüht ‚Hidcote Pink‘. Symbolisch bleibt es dabei: Weißer und rosa blühender Lavendel tragen dieselbe Botschaft wie violetter.

FarbeBeispielsorteWas überliefert ist
Violett bis Blau-Violett, der Standardtondie meisten Sortendie allgemeine Lesart der Blüte: Ruhe, Reinheit, Hingabe
Weiß‚Nana Alba‘eine eigene Bedeutung ist nicht überliefert; es gilt die Lesart der Blüte
Rosa‚Hidcote Pink‘wie bei Weiß: die Botschaft trägt die Blüte, nicht die Farbe
Lavendel als Farbton (keine Blütenfarbe)Feinheit, Anmut und Eleganz; der kräftigere Violettton steht für Würde und Stolz

Doch was unter „Bedeutung von Lavendel“ als Farbe kursiert, gilt dem Farbwert: Lavendelfarben steht für Feinheit, Anmut und Eleganz, das kräftigere Violett für Würde und Stolz. Für den Strauß heißt das: Sie wählen die Blütenfarbe nach der Vase und nach den übrigen Blüten, die Botschaft trägt ohnehin die Blüte. Andere Blumen tragen andere Botschaften; nachlesen lässt sich das etwa in der Bedeutung der Lilie.

Der Name stammt vom lateinischen Wort für Waschen

Getrocknete Lavendelblüten neben einem Leinensäckchen: der Name Lavendel stammt vom lateinischen lavare für waschen

Der Name Lavendel kommt vom lateinischen lavare, waschen. Die Römer nutzten die Blüte beim Waschen und Baden, und daher rührt die Benennung. Über das mittellateinische lavendula kam das Wort ins Deutsche: Das althochdeutsche „lauendula“ ist im 9. Jahrhundert belegt, mittelhochdeutsch heißt es „lavendele“. Ein Name für einen Badezusatz also.

Zu Hause ist der Echte Lavendel in den Küstenregionen des Mittelmeerraums; die ursprünglichen Bestände liegen großflächig im östlichen Spanien, dazu kommen die Südostecke Frankreichs und angrenzende Gebiete Italiens. Die Gattung umfasst je nach Zählweise rund 40 bis knapp 50 Arten. In der Medizin der griechisch-römischen Antike spielte der Echte Lavendel dagegen kaum eine Rolle: Seine Heilkräfte sind allem Anschein nach eine Entdeckung der mittelalterlichen Klostermedizin.

Von Hildegard von Bingen zum geweihten Kräuterbüschel

Die älteste bekannte heilkundliche Beschreibung des Echten Lavendels im deutschen Sprachraum steht im 12. Jahrhundert in der „Physica“. Hildegard von Bingen (1098–1179) hält dort fest, der Lavendel tauge nicht zum Essen, dufte dafür aber sehr stark; wer viele Läuse habe und oft daran rieche, werde sie los, und sein Duft mache die Augen klar.

Das Lavendelsäckchen im Kleiderschrank steht in derselben Linie: ein Hausbrauch, den Generationen weitergegeben haben. Und einmal im Jahr wird der Lavendel sogar geweiht: Am 15. August, zu Mariä Himmelfahrt, steckt er im Kräuterbüschel, der in katholischen Gemeinden gesegnet wird. Der Brauch der Kräuterweihe entwickelte sich seit dem 10. Jahrhundert. Mindestens sieben Kräuter sollen es sein, neun oder zwölf sind ebenso überliefert, und neben dem Lavendel gehören etwa Johanniskraut und Salbei dazu.

Narde und Speik: die Bibel meint eine andere Pflanze

Das biblische Nardenöl stammt von der Indischen Narde, einem Baldriangewächs aus dem Himalaya. Im Neuen Testament salbt Maria damit die Füße Jesu (Joh 12,3); den Wert gibt die Bibel mit 300 Denar an, etwa einem Jahreslohn. Vom Lavendel stammt dieses Öl nicht (Wikipedia).

Dass sich die Verwechslung hält, liegt an den Namen: „Narden“, „kleiner Speik“ und „Speick“ sind alte deutsche Bezeichnungen des Lavendels, und „Speik“ heißt zugleich die Indische Narde. Schon die Antike kannte eine „Pseudo-Narde“, die heute als Lavandula stoechas bestimmt ist.

Zu welchen Anlässen man Lavendel verschenkt

Frau hält einen gebundenen Lavendelstrauß im Arm: Lavendel verschenken heißt Zärtlichkeit und Wertschätzung

Ein Lavendelstrauß passt überall dort, wo Ruhe, Dank oder ein guter Neuanfang gemeint sind. Sie müssen dafür keinen runden Geburtstag abwarten: Lavendel taugt für die kleinen Anlässe, bei denen ein großer Strauß zu viel wäre, und er nimmt der Geste das Feierliche, ohne sie beliebig zu machen.

Beim Dank ist er die richtige Wahl, wenn das Verhältnis freundlich, aber nicht überschwänglich ist: für die Nachbarin, die das Paket angenommen hat, für die Kollegin, die eingesprungen ist. Im Krankenzimmer zählt etwas anderes: Der Strauß braucht wenig Platz auf dem Nachttisch, und sein Duft drängt sich nicht auf. Zum Einzug passt er, weil Reinheit hier nicht moralisch gemeint ist, sondern als frischer Anfang: neue Wohnung, neuer Abschnitt.

  • Dank: Zärtlichkeit und Wertschätzung, die leisere Variante des Dankeschöns.
  • Genesungswunsch: Ruhe und Gelassenheit sind die Botschaft, die im Krankenzimmer ankommt.
  • Umzug oder Einzug: Reinheit als Zeichen für den Neuanfang.
  • Hochzeit: Hingabe und Beständigkeit, dazu der Duft, der den Tag überdauert.
  • Sommergruß ohne Anlass: Blütezeit Juni bis August, genau dann steht er frisch im Laden.

Verblüht der Strauß, ist er noch nicht am Ende: was sich aus getrocknetem Lavendel machen lässt, reicht vom Duftsäckchen bis zur Schale auf dem Tisch. Wer es auffälliger mag, greift zu einer Sommerblüte mit mehr Volumen; die Bedeutung der Dahlie passt zu anderen Anlässen. Und weil er getrocknet weiterlebt, bleibt vom Sommergruß auch dann noch etwas übrig, wenn die Blütezeit im August zu Ende geht.

Was Lavendel zur Hochzeit bedeutet

Zur Hochzeit steht Lavendel für Hingabe und Beständigkeit. Beides passt zu dem, was an diesem Tag versprochen wird. Damit deckt er ab, was ein Brautstrauß sagen soll, und er tut es unaufdringlich: violette Ähren zwischen weißen Blüten, dazu ein Duft, der den Tag über hält.

Früher galt Lavendel als Liebespflanze. Sein Duft sollte über Liebeskummer hinweghelfen, und vor der Hochzeit streute man ihn ins Badewasser. Der Hochzeitsbezug kommt damit aus dem volkskundlichen Liebeszauber.

Praktisch kommt dazu, dass vom Strauß etwas bleibt: Er lässt sich anschließend Lavendel trocknen, sodass vom Brautstrauß mehr übrig ist als das Foto. Als klassische Hochzeitsblüte gilt allerdings eine andere Blume, siehe Bedeutung der Pfingstrose.

Beim Stichwort Lavendel und Hochzeit tauchen zwei Begriffe auf, die ähnlich klingen und etwas anderes meinen. Die Lavendelhochzeit ist der 46. Hochzeitstag; dass der Lavendel dabei für Harmonie und Ausgeglichenheit nach 46 Jahren steht, ist eine moderne Lesart und kein alter Brauch. Die Lavendel-Ehe dagegen meint eine Zweckehe, die die sexuelle Orientierung eines oder beider Partner verdecken sollte; ihr Jahrzehnt waren die 1920er Jahre in Hollywood. Namensgeber ist der Farbton Lavendel, nicht die Blüte (New York Botanical Garden). Für den Brautstrauß gilt weiterhin die Lesart von Hingabe und Beständigkeit.

Was ein Lavendel-Tattoo aussagt

Ein Lavendel-Tattoo trägt die Bedeutungen der Blüte: Ruhe und Reinheit. Die Bedeutung des Motivs ist die Bedeutung der Blüte, und wer sich Lavendel stechen lässt, überträgt genau das: vor allem Gelassenheit, dazu Reinheit.

Aus der Ruhe-Lesart wird auf der Haut eine Haltung: der Mensch, der ruhig bleibt, während andere die Fassung verlieren. Wer die Ähre mit einer zweiten Blume kombiniert, nimmt deren Botschaft mit auf; der Lavendel bleibt darin der ruhige Teil.

Die Ähre gibt das Motiv selbst vor: ein schlanker Stiel, oben die Blüten, je nach Sorte blau-violett bis weiß-rosa. Und weil die Botschaft an der Blüte hängt, bleibt die Farbe des Motivs eine Frage des Geschmacks: Violett, Weiß oder eine feine schwarze Linie.

Das Motiv sagt damit dasselbe wie der Strauß, nur dauerhafter. Wer sich die Ähre stechen lässt, wählt ein ruhiges Zeichen, kein lautes.

Häufig gestellte Fragen

Wann schenkt man Lavendel?

Als Dank, als Genesungswunsch, zum Einzug und als Sommergruß ohne besonderen Anlass. Von Juni bis August blüht er und steht in dieser Zeit frisch im Laden; als Geschenk sagt er Zärtlichkeit und Wertschätzung.

Welche spirituelle Bedeutung hat Lavendel?

Was ist eine Lavendel-Ehe?

Warum wirft man bei Hochzeiten Lavendel?

Warum kein Lavendel?

Welche Bedeutung hat ein Lavendelstrauß?

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