Chrysanthemen sind giftig — zumindest für Katzen, Hunde und empfindliche Kleinkinder. In Blättern und Blüten stecken Pyrethrine und Sesquiterpenlactone, zwei Stoffgruppen mit unterschiedlicher Wirkung. Wer einen Chrysanthemen-Strauß in der Vase stehen hat und gleichzeitig Haustiere hält, sollte die Risiken kennen. Hier erfahren Sie, welche Symptome auftreten können, was im Notfall hilft und welche Schnittblumen unbedenklich sind.
Welche Giftstoffe stecken in Chrysanthemen?
Chrysanthemen enthalten zwei Gruppen von Schadstoffen. Die erste — Pyrethrine — greift das Nervensystem an. Insekten sterben daran, bei Säugetieren löst der Stoff je nach Menge Übelkeit, Erbrechen und Krämpfe aus. Tatsächlich bilden Pyrethrine die Grundlage für über 2.000 registrierte Insektizidprodukte weltweit: Floh-Shampoos, Mückensprays, sogar Kopflausmittel. Der gleiche Wirkstoff steckt also in dem Chrysanthemen-Strauß auf Ihrem Tisch.
Die zweite Gruppe — Sesquiterpenlactone — wirkt anders. Diese Substanzen lösen bei empfindlichen Personen eine Kontaktdermatitis aus: Rötung, Juckreiz, Ekzeme an Händen und Unterarmen. Floristen kennen das Problem seit Jahrzehnten, dokumentiert wurde es erstmals 1931 in The Lancet. Beide Giftstoffe kommen in der gesamten Pflanze vor – Blüten, Blätter, Stängel.
Chrysanthemen und Katzen

Katzen reagieren auf Chrysanthemen besonders empfindlich. Die ASPCA stuft die Pflanze als „Toxic to Dogs, Toxic to Cats, Toxic to Horses“ ein. Der Grund: Katzen bauen Pyrethrine deutlich langsamer ab als Hunde – ihr Stoffwechsel ist dafür nicht ausgelegt.
Die Symptome nach dem Anknabbern eines Chrysanthemen-Straußes:
- Erbrechen und Durchfall
- Übermäßiger Speichelfluss
- Koordinationsstörungen (unsicherer Gang)
- Apathie und Zittern
Wichtig: Auch Speisechrysanthemen – für Menschen unbedenklich – sind für Katzen giftig. Alle Pflanzenteile. Es macht keinen Unterschied, ob die Blüte als Tee-Sorte verkauft wird oder als Herbststrauß.
| Tier | Symptome | Gefährlichkeit | Erste Hilfe |
|---|---|---|---|
| Katze | Erbrechen, Durchfall, Speichelfluss, Koordinationsstörungen | ⚠️ Hoch | Sofort zum Tierarzt |
| Hund | Erbrechen, Durchfall, Benommenheit | Mittel | Tierarzt aufsuchen |
| Kleinkind | Hautreizung, Erbrechen, Gesichtsrötung | Gering bis mittel | Wasser geben, bei Krämpfen → 112 |
| Kaninchen/Nager | Apathie, Fressunlust | ⚠️ Hoch | Sofort zum Tierarzt |
Chrysanthemen und Hunde
Hunde vertragen Chrysanthemen etwas besser als Katzen, doch unbedenklich ist die Pflanze auch für sie nicht. Nach dem Fressen von Blüten oder Blättern treten Erbrechen, Durchfall und Benommenheit auf. Schwere Vergiftungen sind bei Hunden selten, weil größere Mengen nötig wären – allerdings kann schon ein angekauter Stängel aus der Vase Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Auch für Kaninchen, Hamster und Ziervögel ist die Pflanze giftig, bei kleiner Körpermasse reichen geringere Mengen.
Sind Chrysanthemen gefährlich für Kinder?
Für Erwachsene sind Chrysanthemen bei Hautkontakt problematisch, beim Verschlucken einzelner Blütenblätter dagegen meist harmlos. Kinder — besonders Kleinkinder — sollten dennoch keinen Zugang zum Strauß haben. Wird ein Teil der Pflanze verschluckt, hilft viel Wasser trinken. Bei Krämpfen, Sehstörungen oder anhaltendem Erbrechen ist der Notruf 112 die richtige Adresse.
Tipp: Stellen Sie den Chrysanthemen-Strauß außerhalb der Reichweite von Kleinkindern und Haustieren auf – etwa auf einem hohen Regal oder hinter einer geschlossenen Tür.
Speisechrysanthemen: ein wichtiger Unterschied
Bleibt die Frage, ob alle Chrysanthemen gleich giftig sind. Tatsächlich nicht. Die Speisechrysantheme (Glebionis coronaria, auch Shungiku) wird in Japan und China seit Jahrhunderten als Gemüse und Tee verwendet. Blätter, Triebspitzen und Blüten sind essbar und für Menschen unbedenklich.
Die dekorativen Chrysanthemen aus dem Blumenladen gehören dagegen zur Art Chrysanthemum × morifolium — und die enthält Pyrethrine. Doch Vorsicht: Selbst die essbare Speisechrysantheme ist für Katzen und Hunde giftig. Der menschliche Stoffwechsel verträgt die Stoffe, der tierische nicht. Wer sich also beruhigt eine Tasse Chrysanthemen-Tee aufbrüht, sollte trotzdem darauf achten, dass die Blüten nicht in den Wassernapf der Katze fallen.
Was tun bei Vergiftung? Erste Hilfe
Bei Haustieren gilt: sofort zum Tierarzt. Kein Erbrechen auslösen, kein Hausmittel ausprobieren. Bringen Sie nach Möglichkeit einen Teil der Pflanze mit, damit der Tierarzt den Giftstoff identifizieren kann.
Für den Anruf — ob beim Tierarzt oder beim Giftnotruf — halten Sie diese Angaben bereit:
- Welches Tier (Art, Alter, Vorerkrankungen)
- Was wurde gefressen (Blüte, Blatt, Stängel)
- Geschätzte Menge
- Wann (Uhrzeit)
- Welche Symptome bereits aufgetreten sind
🚨 Giftnotruf-Zentralen in Deutschland (24 h):
- Berlin / Brandenburg: 030 / 19 240
- NRW (Bonn): 0228 / 19 240
- Bayern (München): 089 / 19 240
- Sachsen / Thüringen (Erfurt): 0361 / 730 730
- Norddeutschland (Göttingen): 0551 / 19 240
- Allgemeiner Notruf: 112
Sichere Schnittblumen für Haustierbesitzer
Wer Katzen oder Hunde hat, muss nicht auf Schnittblumen verzichten. Diese Sorten gelten als unbedenklich:
- Rosen – der Klassiker, ungiftig für Katzen und Hunde
- Gerbera – farbintensiv und sicher
- Sonnenblumen – völlig unbedenklich
- Freesien – dezent duftend, tiersicher
- Dahlien – bunt, robust, ungiftig
- Löwenmäulchen – eine sichere Wahl für den Herbststrauß
Tipp: Katzengras als Ablenkung aufstellen. Viele Katzen knabbern an Pflanzen, weil sie Grünfutter suchen — ein Topf Katzengras kann den Chrysanthemen-Strauß schützen.
Häufig gestellte Fragen
Sind Chrysanthemen giftig für Katzen?
Können Chrysanthemen Allergien auslösen?
Sind Speisechrysanthemen sicher für Haustiere?
Welche Schnittblumen sind ungiftig für Katzen?
Mehr zur Bedeutung der Chrysanthemen und welche Chrysanthemen-Arten als Schnittblumen in der Vase funktionieren, lesen Sie in unseren weiteren Beiträgen. Tipps zum Frischhalten Ihrer Schnittblumen finden Sie ebenfalls bei uns.
Artikel von
Anton PolitunGründer & Autor bei Blumengruss.de
Schreibt über Schnittblumen — ihre Bedeutung, Pflege und die Kunst, den richtigen Strauß zu wählen.


