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Sind Chrysanthemen giftig? Was Haustierbesitzer wissen müssen

Chrysanthemen sind giftig, zumindest für Katzen, Hunde und Pferde: Die ASPCA führt die gesamte Gattung als toxisch. Betroffen ist die ganze Pflanze, also Blüten, Blätter und Stängel. Hat Ihre Katze am Strauß geknabbert, rufen Sie in Ihrer Tierarztpraxis an, ohne auf Symptome zu warten. Für den Menschen liegen keine geprüften Mengenangaben vor.

Orangefarbene Chrysanthemen in Nahaufnahme – die ASPCA nennt Sesquiterpenlactone und Pyrethrine als toxische Prinzipien
Foto: Tatyana Pligina / Pexels

Inhaltsverzeichnis

Welche Giftstoffe stecken in Chrysanthemen?

Chrysanthemen enthalten zwei Gruppen von Giftstoffen: Die ASPCA nennt in ihrem Eintrag Sesquiterpenlactone und Pyrethrine, dazu weitere reizende Stoffe.

Pyrethrine sind zugleich ein Insektizid-Rohstoff. Das National Pesticide Information Center schreibt, sie kämen natürlich in einigen Chrysanthemenblüten vor, und nennt über 2.000 in den USA registrierte Produkte, Stand November 2014. Gewonnen wird der Rohstoff laut der Mississippi State University aus den Blüten der Pyrethrum-Margerite, botanisch Tanacetum cinerariifolium. Für den Pyrethringehalt von Schnitt-Chrysanthemen liegen keine belastbaren Angaben vor.

Die zweite Stoffgruppe betrifft die Haut: Sesquiterpenlactone lösen bei empfindlichen Personen eine Kontaktdermatitis mit Rötung und Juckreiz aus. Nach DermNet sitzen die Allergene in den Pflanzenhaaren von Blüten und Blättern; das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt Floristen Schutzhandschuhe. Beide Stoffgruppen stecken in der gesamten Pflanze.

Chrysanthemen und Katzen

Neugierige Katze sitzt neben einer Glasvase mit bunten Chrysanthemen auf einem Holztisch – Chrysanthemen sind giftig für Katzen

Die ASPCA stuft die Pflanze als „Toxic to Dogs, Toxic to Cats, Toxic to Horses“ ein. Katzen trifft es besonders, und der Grund liegt im Stoffwechsel: Nach CliniTox, der Datenbank der Universität Zürich, reagieren sie wegen ihrer verminderten Glucuronyltransferase-Aktivität empfindlicher auf Pyrethroide als Hunde.

Für Katzenhaushalte zählt der Unterschied zwischen dem Naturstoff und seinen synthetischen Verwandten: Aus dem lichtempfindlichen Pyrethrum entstanden die Pyrethroide, darunter Permethrin. Die Klinik für Kleintiere der Universität Gießen beschreibt den typischen Unfall: Vergiftungen entstehen meist, wenn Katzen mit Flohmitteln für Hunde behandelt werden.

Die ASPCA nennt in ihrem Eintrag zur Chrysantheme diese Zeichen:

  • Erbrechen und Durchfall
  • Übermäßiger Speichelfluss
  • Koordinationsstörungen (unsicherer Gang)
  • Hautreizung (Dermatitis)

Schwerere Zeichen sind für die Chrysantheme nicht beschrieben; CliniTox nennt Zittern, Krämpfe und vorübergehende Blindheit für Vergiftungen mit hochkonzentrierten Pyrethroid-Präparaten.

Zum Wasser in der Vase liegen für Chrysanthemen keine geprüften Angaben vor, weder bei CliniTox noch bei der ASPCA. Für Lilien nennt die Tierklinik Hofheim das Vasenwasser dagegen ausdrücklich als Gefahr.

Wichtig: Auch Speisechrysanthemen – für Menschen unbedenklich – sind für Katzen giftig. Alle Pflanzenteile.

Symptome und Erste Hilfe bei Katze, Hund und Kleinkind

TierSymptomeWas die Quelle sagtErste Hilfe
KatzeErbrechen, Durchfall, Speichelfluss, KoordinationsstörungenASPCA: giftig, ohne MengenangabeSofort Tierarztpraxis anrufen
Hunddieselben Zeichen wie bei der KatzeASPCA: giftig, ohne MengenangabeAnrufen, unabhängig von der Menge
KleinkindHautreizung bei Kontaktkeine geprüften Angaben zur ChrysanthemeGiftnotruf anrufen, Reste aus dem Mund entfernen, ein Glas stilles Wasser oder Tee; kein Erbrechen, keine Milch, kein Salzwasser; bei Bewusstlosigkeit oder Krampfanfall nichts trinken und 112
Kaninchen, Nager, Ziervögelkeine geprüften AngabenQuellen führen nur Hund, Katze, PferdTierarztpraxis anrufen

Der ASPCA-Eintrag zur Chrysantheme nennt weder eine Menge noch eine Schweregradstufe; genannt werden ausschließlich Hund, Katze und Pferd. Eine Einschätzung nach der gefressenen Menge gibt der Eintrag deshalb nicht her.

Chrysanthemen und Hunde

Auch für Hunde führt die ASPCA die Chrysantheme als giftig, mit denselben Zeichen wie bei der Katze. Belastbare Mengenangaben liegen nicht vor: Weder die ASPCA noch CliniTox nennen eine Schwelle. Rufen Sie deshalb unabhängig von der Menge in Ihrer Tierarztpraxis an, auch wenn Ihr Hund nur an einem Stängel geknabbert hat.

CliniTox hält zugleich fest, dass in der Literatur bisher keine Vergiftungsfälle beim Tier beschrieben wurden, und rät dennoch vom Verfüttern ab.

Sind Chrysanthemen gefährlich für Kinder?

Für Erwachsene sind Chrysanthemen vor allem bei Hautkontakt ein Thema. Zum Verschlucken liegen keine geprüften Angaben vor: Die Pflanze fehlt in den Listen der Giftzentrale Bonn, des Giftnotrufs der Charité und des Bundesinstituts für Risikobewertung. Kleinkinder sollten trotzdem keinen Zugang zum Strauß haben.

Hat Ihr Kind Pflanzenteile gegessen, rufen Sie zuerst den Giftnotruf an. Der Giftnotruf der Charité empfiehlt, Reste aus dem Mund zu entfernen und ein Glas stilles Wasser oder Tee nachtrinken zu lassen; kein Erbrechen auslösen, kein Salzwasser, keine Milch. Bei Bewusstlosigkeit oder Krampfanfall nichts zu trinken geben und sofort 112 rufen.

Tipp: Stellen Sie den Strauß außer Reichweite von Kleinkindern und Haustieren auf, ein hohes Regal reicht.

Speisechrysanthemen: ein wichtiger Unterschied

Chrysanthemen-Tee in einem Glaskrug mit aufgeblühter Chrysanthemen-Blüte – Speisechrysanthemen sind für Menschen essbar, für Katzen jedoch giftig
Foto: MYKOLA OSMACHKO / Pexels

Nicht jede Chrysantheme ist dieselbe Pflanze. Die Speisechrysantheme heißt botanisch Glebionis coronaria, auf Deutsch Kronen-Wucherblume, im Handel auch Shungiku; Blätter und Blüten sind essbar. Die dekorativen Chrysanthemen aus dem Blumenladen sind dagegen eine Hybride, Chrysanthemum × morifolium. Doch Vorsicht: Selbst die essbare Speisechrysantheme ist für Katzen und Hunde giftig.

Was tun bei Vergiftung? Erste Hilfe

Bei Haustieren gilt: sofort in die Tierarztpraxis. Der Bundesverband für Tiergesundheit beschreibt die Rolle des Halters eng: Ist das Gift unbekannt, bleibt nur, das Tier zu sichern und schnell in eine Praxis zu bringen. Kein Erbrechen auslösen, kein Hausmittel ausprobieren. Bringen Sie einen Teil der Pflanze mit.

Zeitangaben gibt es nur für Pyrethroide aus Spot-on-Präparaten: CliniTox nennt 3 bis 24 Stunden Latenz, in Einzelfällen 72. Für den Strauß fehlen solche Werte, warten Sie deshalb nicht auf Symptome.

Für den Anruf beim Tierarzt oder beim Giftnotruf halten Sie diese Angaben bereit:

  • Welches Tier (Art, Alter, Vorerkrankungen)
  • Was wurde gefressen (Blüte, Blatt, Stängel)
  • Geschätzte Menge
  • Wann (Uhrzeit)
  • Welche Symptome bereits aufgetreten sind

Giftnotruf-Zentralen im DACH-Raum (24 h), geprüft auf den Seiten der Zentren; Übersicht auch bei gesund.bund.de.

  • Berlin: 030 19240
  • Bonn: 0228 19240
  • München: 089 19240
  • Erfurt: 0361 730730
  • Göttingen: 0551 19240
  • Mainz, auch Saarland: 06131 19240
  • Freiburg: 0761 19240
  • Wien: 01 406 43 43
  • Tox Info Suisse: 145, gibt auch Auskunft zu Tieren
  • Notruf 112: für Menschen, keine Auskunftsstelle für Tiere

Sichere Schnittblumen für Haustierbesitzer

Blumenstrauß in Rosa und Creme mit Rosen – in weißes Papier gewickelt, vor einem Fenster
Foto: Артем Смолдарёв / Pexels

Wer Katzen oder Hunde hat, muss nicht auf Schnittblumen verzichten. Die Einordnung stammt aus der ASPCA-Datenbank:

  • Rosen: dort als ungiftig für Katzen, Hunde und Pferde geführt
  • Gerbera: ebenso; wie sich Gerbera im Katzenhaushalt schlagen, lesen Sie separat
  • Löwenmäulchen: als ungiftig für Katzen und Hunde geführt, zu Pferden schweigt der Eintrag
  • Sonnenblume: der Eintrag gilt für Helianthus angustifolius, nicht für die Gartensonnenblume; mehr zur Bedeutung der Sonnenblumen separat
  • Dahlie, Nelke, Freesie und Lisianthus gehören nicht hierher: Dahlie und Nelke stehen dort als giftig, zu Freesie und Lisianthus fehlt jeder Eintrag. Mehr bei Dahlien im Katzenhaushalt

Die ASPCA nennt ihre Liste selbst unvollständig, ein fehlender Eintrag ist also keine Entwarnung.

Eine Ausnahme sollten Sie kennen: Lilien. Die ASPCA führt Lilium als giftig für Katzen mit Nierenversagen; die Tierklinik Hofheim schreibt, schon weniger als ein Blatt könne tödlich sein. Mehr dazu im Beitrag zu Lilien und Katzen.

Tipp: Katzengras als Ablenkung aufstellen, viele Katzen knabbern an Pflanzen, weil sie Grünfutter suchen. Tipps zum Frischhalten Ihrer Schnittblumen finden Sie bei uns.

Mehr zur Bedeutung der Chrysanthemen und zu Chrysanthemen-Arten als Schnittblumen lesen Sie in weiteren Beiträgen.

Häufige Fragen zu giftigen Chrysanthemen

Sind Chrysanthemen giftig für Katzen?

Ja. Chrysanthemen enthalten Pyrethrine und Sesquiterpenlactone, die für Katzen in allen Pflanzenteilen giftig sind. Die ASPCA bestätigt die Einstufung als toxisch. Symptome reichen von Erbrechen und Durchfall bis zu Koordinationsstörungen. Auch Speisechrysanthemen – für Menschen essbar – bleiben für Katzen gefährlich.

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